Kolumbien verfügt über außerordentlich vielfältige Naturräume und ist entsprechend reich an natürlichen Ressourcen. Die daraus hervorgehenden Produkte werden über Märkte gehandelt und tragen zur Entwicklung des Landes bei. Zunehmend erreichen kolumbianische Produkte über Exportmärkte die globalisierte Welt. Indes bedrohen die Marktexpansionen immer häufiger die natürlichen Grundlagen des Landes. „Das müsse man auf dem Weg zur Entwicklung eben einfach riskieren“, ist eine saloppe Rechtfertigung der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Sie soll überdecken, dass auch eine ausgeprägte Ungleichverteilung des Reichtums und der Entwicklungschancen die Marktentwicklungen Kolumbiens begleiten. Nicht nur vertiefen sich die Gegensätze zwischen Stadt und Land. Auch in den Städten und vor allem in der Hauptstadt Bogota führen ungeregelte Märkte zu einem Anstieg der Disparitäten und zur Übernutzung der verbliebenen Umwelt.

Marktbeeinflusste konfliktträchtige Mensch-Umwelt-Beziehungen bilden den thematischen Schwerpunkt der Großen Exkursion nach Kolumbien. Sie werden mit einer wirtschaftsgeographischen Perspektiven-Brille betrachtet und interpretiert: Gibt es keine marktalternativen, umweltverträglicheren und weniger risikoanfälligen Formen der Steuerung (Governance) der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung?

Diese Frage wird im Laufe der Exkursion an den Exportmärkten für tropische Früchte, Kaffee, Schnittblumen, Smaragden, Kohle, Erdöl und touristischen Dienstleistungen beispielhaft geklärt. Auf der Exkursion werden die räumlichen Organisationen dieser Märkte, die dahinter stehenden (raum-)ökonomischen Mechanismen sowie die von ihnen ausgehenden räumlichen Konsequenzen greifbar und empirisch zugänglich gemacht. Städtische Entwicklungen in Bogota und Cartagena werden als Orte der Kapitalakkumulation interpretiert und diskutiert.