Die Rede von der tiefgreifenden Veränderung unserer Kommunikationsgewohnheiten durch die Verwendung „Neuer Medien“ ist in der Gegenwart zum Gemeinplatz geworden. Eine „Digitale Revolution“ oder ein „Ende der Gutenberg Galaxis“ wird bemerkt, die Verwendung „Neuer Medien“ sei Markierung einer historischen Wende in ein post-typographisches Zeitalter.

Doch wie tief reicht diese Zäsur, wenn es sie denn gibt? Und wie lässt sie sich methodisch und theoretisch fassen? Wird der selbstständige und unabhängige Leser und Schreiber abgelöst durch ein multimedial vernetztes Kollektiv? Nehmen datenverarbeitende Automaten als autonome Agenten gleichberechtigt teil am Prozess der Wissensakkumulation oder zumindest der Ordnung des Wissens, des Suchens und Findens? Was sagen uns technische Dinge über gesellschaftliche Machtverhältnisse und ihren Wandel und welche Rolle spielen sie hinsichtlich ihrer Stabilisierung bzw. ihres Umbruchs? Oder sind Fragen wie diese verfehlt und ein bloßes Zeichen von vorübergehender kultureller Orientierungslosigkeit, die durch technologische Innovationen und die noch unverarbeitete Einführung hochspezialisierter symbolverarbeitender Werkzeuge ausgelöst wurde?

Dieses Proseminar soll einen ersten Überblick über theoretische Ansätze der Medientheorie und – philosophie, der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Techniksoziologie bieten und die Ansätze der Philosophie und der Soziologie vergleichend gegenüberstellen.

Das Proseminar ist eingebunden in die Arbeit des Teilprojektes Öffentlichkeitsarbeit des Sonderforschungsbereichs 933 „Materiale Textkulturen“, das „Schrifttragende Artefakte in Neuen Medien“ vorstellen und untersuchen will.

Literatur zur Einführung:

  • Karin Bruns u. Ramon Reichert (Hgg.) (2007): Reader Neue Medien. Texte zur digitalen Kultur und Kommunikation. Bielefeld: transcript. (=cultural studies 18)
  • Noah Wardrip-Fruin u. Nick Montfort (Hgg.) (2003): The New Media Reader. Cambridge/Mass: MIT-Press.