Japan wird häufig als eine Übersetzungskultur (hon’yaku bunka) bezeichnet, denn in verschiedenen Epochen der japanischen Geschichte wurden große Mengen von Texten übersetzt, die die japanische Kultur in hohem Maße geprägt haben. Besonders im Vordergrund steht bei vielen Untersuchungen das ausgehende 19. und das 20. Jahrhundert, aber bereits davor gibt es größere Wellen von Übersetzungstätigkeit. In dieser Veranstaltung wollen wir uns einen geschichtlichen Überblick von der Nara-Zeit bis Anbruch der Moderne über diese Wellen verschaffen, die konkreten Arten der Übersetzung wie kanbun kundoku − aber auch weniger bekannte Arten wie ranbun kundoku, eibun kundoku – beleuchten, Konzepte wie Ausgangs- und Zielsprachenorientierung diskutieren und insbesondere die Übersetzungstätigkeit in der Edo-Zeit unter die Lupe nehmen.

In diesem Seminar werden wir grundlegende Motive buddhistischen Denkens in Japan aufgreifen und deren geistesgeschichtlicher Entwicklung und Einbettung in die religiöse Praxis, mit besonderem Schwerpunkt auf die Vormoderne, nachgehen. Im Mittelpunkt sollen die Traditionen des Reinen Landes, des tantrischen Buddhismus und des Lotus sūtra sowie die Beziehung zu den kami stehen, wobei wir auch deren weitere kulturelle Bedeutung über die buddhistische Sphäre hinaus betrachten werden.

Zu Beginn des Seminars werden wir uns um einen Überblick über die Stellung des japanischen Buddhismus in seinem ostasiatischen Kontext bemühen, welcher als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit den oben genannten vier Themen dienen soll. Anschließend werden wir uns durch gemeinsame Lektüre ein vertieftes Verständnis letzterer erarbeiten, wobei soweit vorhanden Primärquellen in Übersetzung zu Grunde gelegt werden sollen. Um einen Leistungsnachweis in diesem Seminar zu erwerben, gelten folgende Bedingungen:

1)      Regelmäßige Teilnahme am Seminar

2)      Wöchentliche Vorbereitung der Lesetexte in Form eines Kurztextes (350 – 500 Wörter)

3)      Anfertigung einer Hausarbeit (ca. 12 Seiten)

Die Zahl der Teilnehmer ist auf 20 beschränkt. Bitte melden Sie sich bis 30. September 2017 per E-Mail bei stephan.licha@zo.uni-heidelberg.de an.


In diesem Seminar werden wir Propagandafilme des Zweiten Weltkriegs (国策映画) analysieren. Wir arbeiten mit einem Korpus von 16 zwischen zehn und 20 Minuten langen Filmen, die im Original und undokumentiert vorliegen. Aufgabe der Studierenden wird daher sein, diese Filme von Grund auf zu erschließen, d.h. die Tonspur zu transkribieren und die gezeigten Bilder zu beschreiben. Zu diesem Zweck werden wir uns der in Heidelberg entwickelten Video Annotation Database bedienen, die es erlaubt, Filme mit Meta-Tags zu versehen. Nach einer Einführung in die Geschichte der Filmproduktion im Japan der 1930er und 40er Jahre werden die einzelnen Sitzungen des Seminars Querschnittsthemen wie Gender, Heimatfront, Wirtschaft oder Waffentechnik gewidmet sein. Die TeilnehmerInnen werden zur Diskussion über diese Themen jeweils aus der Sicht des von ihnen bearbeiteten Films beitragen.

Die Literaturwissenschaft bietet vielfältige Ansätze, Werke zu interpretieren. Am Beispiel des Genji monogatari, das nicht nur durch seinen Umfang, seine elaborierte Sprache und komplexe Erzählstruktur, sondern auch durch seine lange Rezeptionsgeschichte eine herausragende Position in der japanischen Literaturgeschichte einnimmt, wollen wir uns in diesem Seminar der Rezeptionstheorie und der konkreten, über mehrere Jahrhunderte bis in die Gegenwart reichende Lektüre, Verarbeitung, Kontextualisierung des Genji monogatari widmen. Besonders soll dabei die Übertragung in verschiedene Medien (Bild, Theater, Manga) thematisiert werden. Ziel der Veranstaltung ist, eine Einführung zu geben, wie man sich literarischen Texten analytisch nähern kann, und dabei einen der großen Klassiker der japanischen Literatur genauer kennenzulernen.

Im November wird Prof. Yokomizo Hiroshi von der Tōhoku daigaku, ein Spezialist u.a. für die klassische und mittelalterliche Kommentarliteratur, an den Sitzungen teilnehmen und uns Einblicke in die frühe Rezeptionsgeschichte des Werkes geben.