Die landläufigen Vorstellungen über Südasien sind häufig von Stereotypen geprägt, in denen sich ein eigentümliches Gemisch aus Fakten und Fiktionen, kulturellen Missverständnissen, aber auch ideologischen Vorurteilen kolonialistischer oder nationalistischer Provenienz widerspiegelt. Ausgehend vom jüngeren Forschungsstand verfolgt das Hauptseminar ein zweifaches Ziel: Sie versucht zunächst, die Genealogie einschlägiger Vorstellungen aufzuklären, denen häufig eine paradigmatische Bedeutung für ein Verständnis der indischen Gesellschaft zugeschrieben wird: Was ist der Ursprung dieser Konzepte, welche Transformationen haben sie im Verlauf historischer Entwicklungen erfahren und welche sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder religiös-kulturellen Faktoren spielten dabei jeweils eine Rolle? In der Fortführung dieses historischen Überblicks wird das Hauptseminar Aspekte in den Blick nehmen, die - mit den genannten Stereotypen eng verbunden - für die "Identität" des gegenwärtigen Indien nicht nur von Bedeutung sind, sondern zugleich den Gegenstand hitziger politischer Kontroversen bilden: Zu denken ist hier etwa an die Rassentheorie der indischen Zivilisation, an diskriminierende Praktiken des Kastensystems oder an die symbolische Bedeutung von kulturellen Praktiken des Hinduismus.

Das Hauptseminar wendet sich an Studierende der Geschichtswissenschaft, aber auch an Kultur- und Religionswissenschaftler, die sich für transkulturelle Wahrnehmungsprozesse interessieren.

In diesem einführenden Lektürekurs sollen die zentralen Debatten um die historischen Entwicklungen des indischen Subkontinents vom Altertum bis in die Frühe Neuzeit nachvollzogen und kritisch befragt werden. Diskussionen um die Ursprünge indischer Kultur und Religionen, die Einflüsse anderer Kulturräume und die vielfältigen Vernetzungen des Subkontinents mit anderen Weltregionen finden im heutigen Südasien immer wieder den Weg in die öffentlichen Debatten. Die Deutung insbesondere der älteren Geschichte gehört zu den identitätsstiftenden Fragen verschiedener religiöser, politischer und sozialer Gruppen. Es ist daher umso wichtiger, diese wissenschaftsgeschichtlich einzuordnen.

Der Lektürekurs beschäftigt sich anhand zentraler Texte zur alten Geschichte des indischen Subkontinents mit historiographischen Schulen Südasiens, den theoretischen Grundfragen der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt mit den wichtigen geschichtlichen Prozessen Südasiens bis ca. 1500.

Die Übung richtet sich nicht nur an Studierende der Geschichte Südasiens und anderer historischer Fächer, sondern auch der Politik, Wirtschaft oder Ethnologie Südasiens und alle, die sich ein Grundwissen über die Vergangenheit Südasiens verschaffen möchten. Der Besuch der Einführungsvorlesung in die Geschichte Südasiens I wird empfohlen, ist aber keine Teilnahmevoraussetzung.

In dieser einführenden Vorlesung wird ein konziser und diskursiver Überblick über die historischen Entwicklungen des indischen Subkontinents vom Altertum bis in die Frühe Neuzeit gewährt, um die vielfältige Geschichte Südasiens in ihrer Eigenart zu veranschaulichen. Zentrale Strukturmerkmale sollen möglichst in chronologischer Ordnung dargestellt und neuere Forschungsergebnisse diskutiert werden: z.B. Migrations- und Siedlungsprozesse, die Entwicklung ländlicher und städtischer Gesellschaften, Staatsbildung sowie die Entstehung und Ausbreitung religiöser Bewegungen. Die Geschichte der einzelnen Herrscherdynastien wird dabei knapper skizziert. Thematisiert werden auch die transkulturelle Begegnung von Menschen, sowie die Zirkulation von Gütern und Ideen über geographisch-kulturelle Grenzen hinweg zu einer Zeit, bevor die europäischen Handelskompanien im Indischen Ozean in Erscheinung traten.

Die Vorlesung richtet sich nicht nur an Studierende der Geschichte Südasiens und anderer historischer Fächer, sondern auch der Politik, Wirtschaft oder Ethnologie Südasiens und alle, die sich ein Grundwissen über die Vergangenheit Südasiens verschaffen möchten.

Dieses Seminar wird die Wechselwirkungen zwischen Kolonialismus, Macht und Geschlecht in Südasien untersuchen. Dabei soll unter anderem erarbeitet werden, wie sich koloniale Machtstrukturen auf Männer- und Frauenrollen auswirkten. Es sollen dabei sowohl britische, als auch südasiatische Menschen beider Geschlechter im Fokus stehen. Thematisiert werden unter anderem die komplexe Rolle von weißen Frauen im kolonialen Südasien und die widersprüchliche Konstruktion indischer Männlichkeiten durch den kolonialen Diskurs. Um sich dem Themenkomplex zu nähern, werden Primärquellen (in englischer Sprache) sowie Fachliteratur bearbeitet.

Das Seminar richtet sich an alle Studierende aus historischen Fächern sowie an Interessierte aus den Südasienstudien und der Ethnologie.


Südasien ist präsent in der Stadt Heidelberg. Die hiesige Universität verfügt seit über 50 Jahren über ein Institut, das sich in Forschung und Lehre mit dem indischen Subkontinent befasst. Aber auch darüber hinaus gibt es zahlreiche Vereine, Gemeinschaften, Unternehmen und Restaurants, die eng mit Indien verbunden sind. Nicht zuletzt leben in Heidelberg zahlreiche Menschen, die zeitweise oder gänzlich aus Südasien an den Neckar übergesiedelt sind. Dieses Seminar ist als Projekt des forschenden Lernens zu verstehen, das versuchen wird dieses „Heidelberger Südasien“ sichtbar zu machen und historisch nach zu verfolgen. Dabei sollen studentische Projekte, etwa zu Migrationsgeschichten, internationaler Zusammenarbeit oder zu bekannten (und unbekannten!) historischen Personen (z.B. Max Weber oder Mohammed Iqbal) im Mittelpunkt stehen. Dies umfasst eigene Forschungsleistungen in lokalen und regionalen Archiven ebenso wie die Bereitschaft zur Durchführung von biographischen Interviews. Erwartet wird ein hohes Maß an Eigeninitiative und selbstständigem Arbeiten, um die historischen Spuren Südasiens in Heidelberg nachzuvollziehen und idealerweise für die Öffentlichkeit aufzubereiten.

Das Proseminar richtet sich an BA-Studierende des Südasien-Instituts sowie des Historischen Seminars und ist offen für Interessierte benachbarter Disziplinen wie Ethnologie, Politikwissenschaft, Religionswissenschaft etc.


In conventional histories of India and Pakistan, the midnight hour of 14/15 August 1947 is seen as the crucial moment of the twentieth century, when freedom was achieved from British rule. History-writing initially focused on the strategies and activities of leaders like Gandhi, Nehru, Jinnah and Mountbatten. How independence was achieved, and how Pakistan was created despite opposition to it, is still the main story which animates the textbooks.

 In this course, our analysis goes beyond the politics of the British, the Congress and the Muslim League. We consider the transformative impact of the Second World War (which is prominent in European historiography, but overshadowed by independence in South Asian historiography). The fear of a Japanese invasion of India, and the Great Bengal Famine, which left perhaps three million dead, are discussed. Defections from the British Indian army, and the mutiny in the Indian navy, are examined. The causes of mass violence between Hindus, Muslims and Sikhs (which killed perhaps half a million people in 1947), are analyzed. The changes in the functioning of the bureaucracy, police and army are described. More broadly, we explore changes in the nature of state power and class relations. The political extinction of the Indian princes provides another theme. Attention is paid to representations of these events in photographs, films and fiction. In short, the aim of this course is to convert one story into many.

This course runs parallel to the lecture course with the same title, but has a somewhat different emphasis. Students will read the primary literature and the primary (published) sources.

 In 1973, the scholar and former member of the Indian Civil Service, Penderel Moon, edited and published by Lord Wavell, the penultimate viceroy of India. Between 1970 and 1983, the British Government published twelve volumes, titled The Transfer of Power, and edited by Professor Nicholas Mansergh, to shed light on the concluding phase of the British rule in India from 1942-1947. The Indian Council of Historical Research is currently bringing out more and more extensive collections, in its Towards Freedom project. The private correspondence of Indian leaders like Jawaharlal Nehru, Vallabhbhai Patel, Gobind Ballabh Pant, and Rajendra Prasad also has become available. Students doing this course will explore if and how the publication of hitherto secret or less-known document changes, or can change, our view of the past.

On the whole, modern Indian history writing has tended to concentrate on economics and politics, rather than on society and culture. But, of course, everyday life, attitudes and habits underwent enormous transformations during the twentieth century in India. The health of the population improved: in the middle of the century, a quarter of the entire population used to suffer from malaria annually. Dress changed: headgear became less common, footwear more frequent. Tea became a national drink, while coffee functioned for a while as a marker of upper caste sophistication in south India. Films made in India became an almost universal form of entertainment. Attitudes towards travel overseas changed: the fear of thereby losing caste disappeared. The popularity of the gramophone and the radio-, gave way to that of television.

 In twentieth century Indian history writing, so far, the crucial dates have been political: those associated with the Swadeshi Movement, the foundation of the Muslim League, the Montagu Declaration and the Government of India Act, the mass movements led by the Congress, Independence and Partition, the National Emergency declared by Indira Gandhi, and so on. The important dates regarding narratives of health and medicine, food, dress, sport, transport, entertainment, technology - and many other matters - find no mention.

In this Übung, undergraduate and graduate students would be encouraged to generate alternative chronologies (and hence histories) of modern India.

Einführung in des wissenschaftliche Arbeiten der Geschichte Südasiens

Tutorium für die beiden Proseminare

"Gendering Colonialism. Macht und Geschlecht im kolonialen Südasien" (Felix Eickelbeck)

und

"Indien in Heidelberg. Verflechtungsgeschichten zwischen Asien und Europa" (Rafael Klöber)


Mittwochs, 12-13 Uhr, R. 317, INF 330, Südasien-Institut, Universität Heidelberg