(anerkannt als Klinisches Wahlfach gemäß neuer AO, sowie als EPG II für Studierende der Lehramtsstudiengänge)

Die Teilnahme an der Vorbesprechung ist Voraussetzung für den Scheinerwerb. Zur besseren Planbarkeit (bezüglich der Räumlichkeiten, usw.) wird um eine formlose  Anmeldung per E-Mail gebeten unter Primc@uni-heidelberg.de.

Laut statistischem Bundesamt versterben mittlerweile rund die Hälfte aller Menschen in Deutschland nicht zu Hause, sondern in einem Krankenhaus. Noch dazu gezählt werden müssen all diejenigen Personen, die beispielsweise in einem Pflegeheim oder ähnlichen Einrichtungen versterben. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich die Sterbekultur (ars moriendi) in Deutschland stark gewandelt hat: Während der Tod eines Familienmitgliedes vor einigen Generationen noch seinen Platz inmitten der (Groß)Familie hatte, wird die Begleitung und Betreuung der Sterbenden heutzutage immer mehr in die Hände von Ärzten und Pflegern gegeben. Aus diesem Grund sollte die Auseinandersetzung mit dem Tod des Menschen im medizinethischen Kontext nicht nur eine Rolle für angehende Mediziner spielen, sondern es handelt sich hierbei – in Anbetracht der oben genannten Zahlen – um eine Thematik, die eine allgemeine gesellschaftliche Relevanz hat.

Der Tod des Menschen nimmt vor allem in drei medizinethischen, zum Teil miteinander verwandten Themenkomplexen eine zentrale Stellung ein: bei der Sterbehilfe, der Organspende und der Hirntoddiagnostik. Diese Themen sollen in einem interdisziplinären Dialog von den Studenten aus Sicht der unterschiedlichen Fachdisziplinen erarbeitet und diskutiert werden.

Um die Anzahl der Teilnehmer abschätzen und das Seminar besser planen zu können, wird um eine formlose Anmeldung per Mail mit Angabe von Name und Fächerkombination gebeten unter Primc@uni-heidelberg.de



Die Antialkoholbewegung fing in Irland und England an, verbreitete sich in den skandinavischen Ländern und wurde in Deutschland rezipiert: Sie beeinflusste die Gesellschaften Nord- und Mitteleuropas seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und schlug in verschiedenen Wellen. Gegen Alkoholkonsum sprachen sich viele aus: Vertreter der Degenerationsangst, Frauenbewegungen, Arbeiterbewegungen, Mediziner, Jugendbewegungen und Kirchen. Mit welchen Argumenten, mit welchen Adressaten und durch welche Akteure, wird im Seminar anhand von Quellen aus den Jahren 1880-1940 behandelt.

Die Epoche des Kalten Krieges ist wissenschaftshistorisch einerseits durch eine enorm intensive Forschungs- und Entwicklungsdynamik geprägt, andererseits aber auch voller Widersprüche. Im Vordergrund stehen nicht nur in der unmittelbaren Rüstungsforschung zweifellos die Nuklearwissenschaften. Sie fragen in der Medizin nach den Lebens- und Überlebensbedingungen des Menschen im nuklearen Zeitalter, nach dem Überleben in nuklearen Katastrophen, aber eben auch voller Euphemismus nach der heilenden Kraft der neuen Strahlen etwa in der Krebstherapie. Auch die medizinischen Bio- und Chemiewissenschaften werden durch die Bedingungen der Epoche geprägt. In der Infektiologie ist es die „defensive“ Antibiotikaforschung, aber auch die aggressive Biowaffenforschung, in der Genetik die Frage nach der molekularen Determiniertheit der Erbkrankheiten und die nach den genetischen Implikationen nuklearer Katastrophen, in der Chemie Fragen der Chemotherapie, aber auch nach der Vernichtung durch Chemie. Nahezu immer handelt es sich um höchst ambivalente Forschungsinteressen. Widersprüchlich sind auch emanzipatorische Prozesse, wie etwa die Reformbestrebungen in der Psychiatrie und der Einsatz von Psychotechniken im Krieg, oder die Rückkehr zu archaisch-biologisch-natürlichen Lebensweisen und der Eskapismus in meditative Ashrams und andere Refugien im Kontext der Friedens- und Umweltbewegung, aber eben auch Forschungen zum Überleben in unterirdischen Bunkerwelten.