Das Tutorium zu den Proseminaren der Abteilung für Geschichte am Südasien-Institut wird auch für Studenten anderer Abteilungen angeboten. Somit ist es möglich am Tutorium als eigener ÜK-Veranstaltung teilzunehmen.

Ziel des Tutoriums ist die Einführung in wissenschaftliche Arbeitstechniken. Dazu gehören die inhaltliche und formale Vorbereitung eines Referates mit entsprechender Literatursuche zum Thema, Hinweise zur angemessen Präsentation und die Vermittlung von Aufbau und Inhalt einer Hausarbeit. Das Erstellen einer Bibliographie soll ebenso wie die richtige Zitierweise im Tutorium vermittelt und geübt werden. Ergänzend wird die Analyse von Quellen vorgestellt und in die Arbeit mit Literaturverwaltungs-programmen eingeführt. In Kooperation mit der Bibliothek des SAI wird zudem eine Bibliotheksführung angeboten und bei Interesse seitens der Studierenden ggf. eine vertiefende Übung zur Literaturrecherche mit Hilfe von Datenbanken durchgeführt.


Brandt, Ahasver von (2012) Werkzeug des Historikers - eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, 18. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer.
Oppgenoorth, Ernst/Schulz, Günther (2010): Einführung in das Studium der Neueren Geschichte, 7. Aufl., Paderborn [u.a.]: Schöningh.


Es handelt es sich hier um eine Überblicksveranstaltung, die die historisch-politischen und sozialen Entwicklungen sowie Wirtschafts- und Religionsgeschichte des indischen Subkontinents seit der Frühmoderne behandelt. Beginnend mit dem Entstehen und Eindringen frühmoderner Mächte, nämlich der Mogulen und der europäischen Handelskompanien, über die Etablierung von kolonialen Herrschaftsformen im 18. Jahrhundert, die Hochzeit des Company Raj, die imperiale Politik der britischen Krone vom späten 19. Jh., den Unabhängigkeitskampf im 20. Jh. und schließlich nach 1947 die postkolonialen Entwicklungen, wird gegen Ende auch auf aktuelle politisch-gesellschaftliche Konstellationen eingegangen werden. Im Fokus der Vorlesung wird die Dynamik der historischen prozessualen Entwicklungen sein - bedingt nicht nur durch die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Austauschprozesse mit anderen Weltgegenden, sondern auch dank der dieser Region innewohnenden ethnischen, religiösen und sozial-kulturellen Pluralität. Zweitens wird die perspektivische Multidimensionalität der südasiatischen Historiographie von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart ins Blickfeld der Untersuchung gerückt.

Die Vorlesung, die sich auf visueller Dokumentation stützen wird, wendet sich an Studierende der südasiatischen Geschichte, der Neueren und Neuesten Geschichte, aber auch an Interessenten aus benachbarten Fächern wie der Politikwissenschaft, der Religionswissenschaft und den transkulturellen Studien.

2 Leistungspunkte

2 LP Vorbereitung und Teilnahme (unbenotet)

 

3 Leistungspunkte

2 LP Vorbereitung und Teilnahme

1 LP Mündliche Prüfung

  • Für Studierende des Historischen Seminars (unbenotet) in einer Gruppenprüfung: 3 Studierende, 15 Minuten, Thema: Lektürekanon
  • Für Studierende des SAI (benotet) Einzelprüfung: 15 Minuten, 3 Themen, die vom Studierenden aus Seminarprogramm ausgewählt werden

 

4/5 Leistungspunkte

2 LP Vorbereitung und Teilnahme

2/3 CP Mündliche Prüfung (benotet, Einzelprüfung, 15 Minuten, 3 Themen, die vom Studierenden aus Seminarprogramm ausgewählt werden + Vorbereitung des Lektürekanons)

 

Literaturkanon (Arbeitsstunden: 30 Stunden, Selbststudium):

Bayly, C.A., 1988: Indian Society and the Making of the British Empire, CUP.

Kulke, Hermann / Rothermund, Dietmar, 2010: Geschichte Indiens, Beck.

Markovits, Claude (Hg.), 2002: A History of Modern India 1480-1950, Anthem Press.


weiterführende Literatur:

Bayly,C.A.,1988:IndianSocietyandtheMakingoftheBritishEmpire,CUP.

Bose,S./Jalal,A.,1998:ModernSouthAsia:History,Culture,PoliticalEconomy,Routledge.

Kulke,Hermann/Rothermund,Dietmar,2010:GeschichteIndiens,Beck.

Markovits, Claude (Hg.), 2002: A History of Modern India 1480-1950, Anthem Press.



In dieser einführenden Lektüreübung sollen die zentralen Debatten um die historischen Entwicklungen des indischen Subkontinents von ca. 1500 bis heute nachvollzogen werden. Dazu zählen unter anderem die historisch-politischen und sozialen Entwicklungen sowie Wirtschafts- und Religionsgeschichte des indischen Subkontinents seit der Frühmoderne. Beginnend mit dem Entstehen und Eindringen frühmoderner Mächte, nämlich der Mogulen und der europäischen Handelskompanien, über die Etablierung von kolonialen Herrschaftsformen im 18. Jahrhundert, die Hochzeit des Company Raj, die imperiale Politik der britischen Krone vom späten 19. Jh., den Unabhängigkeitskampf im 20. Jh. und schließlich nach 1947 die postkolonialen Entwicklungen, wird gegen Ende auch auf aktuelle politisch-gesellschaftliche Konstellationen eingegangen werden.

Der Lektürekurs beschäftigt sich anhand zentraler Texte zur neuen Geschichte des indischen Subkontinents mit historiographischen Schulen Südasiens, den theoretischen Grundfragen der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt mit den wichtigen geschichtlichen Prozessen Südasiens ab ca. 1500.

 

Die Übung richtet sich nicht nur an Studierende der Geschichte Südasiens und anderer historischer Fächer, sondern auch der Politik, Wirtschaft oder Ethnologie Südasiens und alle, die sich ein Grundwissen über die Vergangenheit Südasiens verschaffen möchten. Der Besuch der Einführungsvorlesung in die Geschichte Südasiens II wird empfohlen, ist aber keine Teilnahmevoraussetzung.



Bayly, C.A., 1988: Indian Society and the Making of the British Empire, CUP.

Bose, S./Jalal, A., 1998: Modern South Asia: History, Culture, Political Economy, Routledge.

Kulke, Hermann/Rothermund, Dietmar, 2010: Geschichte Indiens, Beck.

Markovits, Claude (Hg.), 2002: A History of Modern India 1480-1950, Anthem Press.


Das in der Konvention von Kandy gemachte Zugeständnis “to protect the Boodoo’s religion“ warf die britische Kolonialherrschaft in Sri Lanka (oder Ceylon, wie es damals genannt wurde) in einen grundlegenden Zwiespalt, da sie sich gleichzeitig der christlichen Mission und dem Schutz des Buddhismus verschrieben hatte. Die Trennung von Staat und Religion konnte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts abgeschlossen werden, brachte aber zugleich eine Renaissance des Buddhismus hervor, die unter dem Begriff des “protestant Buddhism” bekannt wurde und das öffentliche und politische Leben der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit auf der Insel dominierte. Vor dem Hintergrund der Feierlichkeiten zum 2500. Todestag Buddhas (Buddha Jayanti) 1956 kulminierten die Versuche, Religion und Staat wieder zusammenzuführen, in der Forderung, den Buddhismus zur Staatsreligion zu erheben. Sie blieben auch danach ein entscheidender Faktor im aufkommenden Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen. Das Seminar behandelt grundlegende Entwicklungen und entscheidende Konfliktsituationen dieses Verhältnisses von Religion und Politik, darunter Themen wie die Diskussion um die Rolle des britischen Gouverneurs bei buddhistischen Feiern, die christlich-buddhistischen Disputationen, die Mahabodhi-Bewegung, die Besetzung öffentlichen Raumes und religiöse Ausschreitungen, Wahlrechtsreformen, die Repatriierung der Hochland-Tamilen und politische Kampagnen im Zusammenhang mit den Buddha Jayanti-Feiern.


8/9/10 Leistungspunkte

2 LP Vor- und Nachbereitung, Teilnahme

2 LP Referat

4/5/6 LP Hausarbeit

 

4 Leistungspunkte

2 LP Vor- und Nachbereitung, Teilnahme

2 LP Referat


Literatur:

Jakob Roesel, Gestalt und Entstehung des Singhalesischen Nationalismus (Berlin: Duncker und Humblot, 1996).

S. J. Tambiah, Buddhism Betrayed? Religion, Politics and Violence in Sri Lanka (Chicago: UChicP, 1992).

Kitsiri Malalgoda, Buddhism in Sinhalese Society. A Study of Religious Revival and Change (Berkeley: UCalifP, 1976).



Wer heute an Indien und seine gesellschaftliche Struktur denkt, denkt meist zunächst an das Phänomen des „Kastensystems“. Es handelt sich hierbei um ein verbreitetes Bild, das in Schulbüchern und Medien gleichermaßen als hierarchische Pyramide aus vier Kasten (Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras) dargestellt wird. Außerhalb diese vermeintlichen uralten Systems steht eine Bevölkerungsgruppe, die meist als „Pariahs“, „Unberührbare“ oder offiziell als „Scheduled Castes“ bezeichnet werden. Das Proseminar wird sich kritisch mit der Idee eines einheitlichen und transhistorischen Gesellschaftssystems befassen, das empirisch und historisch nicht haltbar ist. Der Fokus der Veranstaltung liegt aber auf der Gruppe von Menschen in Südasien, die als „kastenlos“, also außerhalb des Systems stehend, begriffen werden. Die Selbstbezeichnung dieser Menschen lautet heute meist „Dalit“ (wörtl. etwa „gebrochen“), auch wenn diese weiterhin umstritten ist. Die Geschichtsschreibung Südasiens hat diese, gegenwärtig ca. 16% der indischen Gesamtbevölkerung ausmachende Gruppe, lange Zeit wenig beachtet. Gerade in den letzten Jahrzehnten sind jedoch wichtige Werke erschienen, die sich mit den Emanzipationsbewegungen der Dalits, ihrer Religion, Kultur, Kunst und Literatur befassen. Das Seminar wird die wichtigsten historischen Entwicklungen vor allem seit der britisch-kolonialen Epoche nachzeichnen und die Rolle der „Unberührbaren“ in der indischen Geschichte beleuchten.


BHAGAVAN, Manu/ FELDHAUS, Anne (eds.) (2009): Claiming Power from Below. Dalits and the Subaltern Question in India. New Delhi: Oxford Univ. Press.

DIRKS, Nicolas (2001): Castes of Mind. Colonialism and the Making of Modern India. Princeton: Princeton Univ. Press.

FUCHS, Martin (1999): Kampf um Differenz. Repräsentation, Subjektivität und soziale Bewegungen. Das Beispiel Indien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

OMVEDT, Gail (1994): Dalits and the Democratic Revolution. Dr. Ambedkar and the Dalit Movement in Colonial India. New Delhi: Sage.