Wie haben sich die Zivilgesellschaften in Korea und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt und verändert? Ostasiatische Gesellschaften wurden zwar als „starker Staat - schwache Gesellschaft“ charakterisiert, aber die Zivilgesellschaften entwickelten sich und veränderten die Beziehungen zwischen dem Staat und der Gesellschaft auf dem Weg zur Demokratisierung. Zunächst lernen wir soziologische Theorien über soziale Bewegungen kennen. Dann werden wir Phänomene aus empirischen Fallstudien über soziale Bewegungen hauptsächlich Südkoreas und Japans mit Hilfe dieser Theorien erklären und lernen so ihre Anwendung. Gleichzeitig werden wir durch die Fallstudien den soziopolitischen Entwicklungsprozess sowie die Charakteristika der Zivilgesellschaft in den jeweiligen Ländern besser verstehen. Schließlich untersuchen wir den Einfluss globaler Veränderungen auf soziale Bewegungen (z.B. transnationale Interessengruppen und Netzwerke, technische Entwicklung wie das Internet und neue soziale Medien) und auf die Entwicklung der ostasiatischen Zivilgesellschaften.

Senioritätsprinzip und lebenslange Beschäftigung galten lange Zeit als Charakteristika des Arbeitsmarktes in Japan und Korea (insbesondere gilt dies für Chaebol-Unternehmen). Jedoch hat sich der Arbeitsmarkt in den beiden Ländern dramatisch geändert: In Korea nach der Asiatischen Wirtschaftskrise am Ende der 90er Jahre und in Japan seit dem Ende des langfristigen Wirtschaftsaufschwungs (Bubble Economy). Zudem ist der Arbeitsmarkt durch die zunehmende Teilnahme weiblicher Arbeitskräfte, die höher werdende globale Mobilität der Arbeitsbeschäftigung und die Zunahme der Migranten noch dynamischer geworden. Als Folge entstand „Diversität“ auf den Arbeitsmärkten der beiden Länder. Was bedeutet „Diversität“ auf dem Arbeitsmarkt? Wie wurde diese von Unternehmen, Gewerkschaften und den Arbeitskräften aufgenommen und interpretiert? Was sind die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen hieraus auf den jeweiligen Arbeitsmärkten der beiden Länder? In diesem Seminar werden wir mit diesen Fragestellungen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Arbeitsmarktes Japans und Koreas untersuchen.

Das OA-Kolloquium soll im Rahmen der stärkeren Vernetzung der im Zentrum beteiligten Fächer den Magistranden/Master-Studierenden, DoktorandInnen und Post-DoktorandInnen die  Möglichkeit geben, ihre Forschungsvorhaben in einen fächerübergreifenden Kontext zu stellen. Damit verbindet sich das Ziel, dass auch in den fachinternen Abschlußarbeiten zunehmend eine breitere ostasiatische Perspektive einbezogen wird.

Das Forschungskolloquium informiert ferner über Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und gibt den Studierenden die Möglichkeit, eigene Forschungsansätze vorzustellen und zu diskutieren. Das Kolloquium umfasst die gemeinsame Lektüre und Analyse maßgeblicher wie aktueller Forschungsarbeiten aus den drei beteiligten Fachgebieten sowie von Sekundärliteratur zu ostasiatischen Themen bzw. von allgemeinen, auch für  Ostasien relevanten wissenschaftlichen Arbeiten. Es wird erwartet, dass spätestens eine Woche vor Referatstermin von den jeweils Vortragenden ein Text in westlicher Sprache von nicht mehr als ca. 15 Seiten als Vorbereitung zur Verfügung gestellt und von allen vorbereitet wird. Der Vortrag zum eigenen Arbeitsvorhaben sollte 30 Min. nicht überschreiten, um Raum für Diskussion zu lassen.

Für den Erwerb eines Scheins ist regelmäßige und aktive Teilnahme am Kolloquium erforderlich. Kommilitoninnen, die keinen Schein erwerben wollen, sind ebenso herzlich willkommen. Anmeldungen richten Sie bitte an die jeweiligen Fachvertreter (Professoren).


Der Kurs schließt an Ostasien in der Weltgeschichte I vom Wintersemester an und konzentriert sich auf das 19. und 20. Jahrhundert. Im Vordergrund steht die Modernisierungsfrage unter den Aspekten Staat, Ökonomie, Technik, Sprache, Religionen und Gesellschaftsentwürfe, sowie die diese abbildende Sphäre der Visualität (Kalligraphie, Archäologie als moderner Wissenschaft, Staatsarchitektur und bildliche Darstellungen politischer Führungspersönlichkeiten).