In diesem Seminar wird eine Einführung in Targume als eine Gattung kanonischer jüdischer Texte und in die jüdisch-aramäische Sprache gegeben. Die Behandlung des grammatischen Stoffes wird mit der Lektüre der Targumtexte einhergehen. Dabei wird auch die gegenseitige Beeinflussung des Hebräischen und des Jüdisch-Aramäischen erläutert, der Sprachen, die Jahrhunderte lang nebeneinander als Medien der Jüdischen Kulturen existierten.

Im Jahr 1217 starb R. Yehuda he-Ḥasid („der Fromme“) in Regensburg. Er gilt als einer der herausragenden Vertreter der sog. „Frommen Deutschlands“ ḥaside ashkenaz, deren Vorfahren im 9. Jh. von Oberitalien aus ins Rheinland eingewandert waren. Neben R. Yehuda war es vor allem dessen Schüler, R. Elazar ben Yehuda ben Qalonymos von Worms (ca. 1165-1230), der neben ethischen Abhandlungen ein umfangreiches spekulatives Schrifttum hinterließ, darunter eine Fülle theologischer und exegetischer Traktate zur Bibel- und Gebetsauslegung, die großen Einfluss auch auf den aus Köln stammenden und über Barcelona nach Toledo ausgewanderten R. Yaaqov ben Asher (Baal ha-Turim; c. 1269–1343) hatten. Wir werden mit handschriftlichen und gedruckten Quellen arbeiten. Mut, Neues zu entdecken, ist erforderlich!! 


Der „Bruderzwist“ zwischen Yaaqov und Esaw hat ebenso wie die Erzählungen von Yaaqovs Reise nach und Aufenthalt in Aram tiefe Spuren in der jüdischen und der christlichen Bibelauslegung und Theologie hinterlassen. Bis in die profane Literatur sind die Stoffe eingegangen und stellen ihre kreative, Welt deutende Kraft bis heute unter Beweis. In der jüdischen Bibelauslegung wurde der Bruderzwist als Paradigma für den Konflikt zwischen Israel und den Völkern verstanden. Auch die christliche Seite schöpfte aus dem Text, um damit ihren Anspruch auf das Erbe Israels zu zementieren. Diesen Zusammenhängen werden wir uns zuwenden und Gemeinsamkeiten und Konfliktpotentiale jüdischer und christlicher Bibelauslegung wissenschaftlich erschließen und theologisch diskutieren.