In dieser einführenden Lektüreübung sollen die zentralen Debatten um die historischen Entwicklungen des indischen Subkontinents vom Altertum bis in die Frühe Neuzeit nachvollzogen und kritisch befragt werden. Die alte indische Geschichte und ihre Interpretation sind bis heute eine Arena politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Diskussionen um die Ursprünge indischer Kultur und Religionen, die Einflüsse anderer Kulturräume und die vielfältigen Vernetzungen des Subkontinents mit anderen Weltregionen finden im heutigen Südasien immer wieder den Weg in die öffentlichen Debatten. Die Deutung insbesondere der älteren Geschichte gehört zu den identitätsstiftenden Fragen verschiedener religiöser, politischer und sozialer Gruppen. Es ist daher umso wichtiger, diese wissenschaftsgeschichtlich einzuordnen.

Der Lektürekurs beschäftigt sich anhand zentraler Texte zur alten Geschichte des indischen Subkontinents mit historiographischen Schulen Südasiens, den theoretischen Grundfragen der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt mit den wichtigen geschichtlichen Prozessen Südasiens bis ca. 1500.

Die Übung richtet sich nicht nur an Studierende der Geschichte Südasiens und anderer historischer Fächer, sondern auch der Politik, Wirtschaft oder Ethnologie Südasiens und alle, die sich ein Grundwissen über die Vergangenheit Südasiens verschaffen möchten. Der Besuch der Einführungsvorlesung in die Geschichte Südasiens I wird empfohlen, ist aber keine Teilnahmevoraussetzung.


Das Proseminar beleuchtet die Konstruktion und Regulierung verschiedener Formen südasiatischer Kriminalität sowie koloniale Bestrafungsformen im Zeitraum von ca. 1830 bis 1947. Es sollen Prozesse der Vereinheitlichung von juristischen Vorgehensweisen, die Kategorisierung kriminellen Verhaltens sowie die Implementierung neuartiger Disziplinierungstechnologien analysiert werden. Eine Frage wird dabei sein, wie verschiedene ethnische Gruppen in Südasien eine spezifische Kriminalität zugeschrieben bekamen und wie diese bestraft werden sollte. Einen Schwerpunkt werden auch die Betrachtung südasiatischer Gefängnisse und deren soziale und politische Funktion einnehmen. Ebenso sollen verschiedene Ansätze zur Reformierung der südasiatischen Kriminalität und hierbei insbesondere Reformschulen für jugendliche Kriminelle untersucht werden. Das Proseminar richtet sich an Studierende der Geschichte, der Südasienstudien, der Ethnologie sowie an alle Interessierte aus anderen Fachbereichen.