Der Kurs richtet sich als Haupt-/Oberseminar an Teilnehmer, die bereits gewisse Kenntnisse der Geschichte und Kultur des antiken Ägypten haben. Besondere Sprachkenntnisse sind jedoch nicht vorausgesetzt.

Der Kurs "Koptisch I" bietet eine Einführung in die koptische Schrift und Sprache und ist auf zwei Semester ausgelegt.

Plutarchs religionsphilosophisches Hauptwerk Über Isis und Osiris ist die erste ausführliche und detaillierte Auseinandersetzung eines griechischen Philosophen mit der ägyptischen Religion, für  deren Zentrum Plutarch den Mythos über Isis, Osiris und Horus hält. Diesen Mythos deutet Plutarch mit den Mitteln der Mythenallegorese so, daß er zentrale Einsichten der griechischen Metaphysik in ihm angedeutet bzw. vorweggenommen findet. Konkret bezieht der Platoniker Plutarch die Geschichte von Isis, Osiris und Horus auf die Prinzipienphilosophie Platons und der Alten Akademie, welche die Welt und ihre Ordnung im Verhältnis des Einen (Osiris), eines Prinzips der Vielheit und Entzweiung (Isis) sowie der Vermittlung dieser beiden Prinzipien durch den sich selbst denkenden göttlichen Geist (Horus) begründet sah. Konkret orientiert sich Plutarch dabei weniger an Platons Originalversion dieser Prinzipienmetaphysik als an ihrer Deutung durch den Platonschüler Xenokrates, für den der göttliche Geist im Zentrum steht; Xenokrates kann zugleich als der entscheidende Ideengeber für den Mittelplatonismus gelten, also jene Epoche des antiken Platonismus (1. Jahrhundert vor bis 2. Jahrhundert nach Christus) der Plutarch selber angehört. Plutarchs Deutung der ägyptischen Religion hat deren Bild in der Geistesgeschichte Europas so nachhaltig geprägt wie sonst nur noch Jamblich. Uns interessiert die Fragen, wie gut Plutarch die ägyptische Religion eigentlich kennt und welche Quellen er dafür hatte und inwieweit seine Deutung den ägyptischen Mythos umdeutet und ihn dabei möglicherweise verfälscht. In diesem Zusammenhang interessiert uns vor allem Plutarchs Tendenz, den polytheistischen ägyptischen Mythos auf einen Monotheismus hin zu lesen. Die Fragen nach dem Verhältnis von (inklusivem und exklusivem) Monotheismus und Polytheismus werden darum zu den Leitfragen unseres Seminars gehören. Das Seminar richtet sich an Philosophen, Altertumswissenschaftler (Ägyptologen, Altorientalisten,  Altphilologen), Theologen und Religionswissenschaftler sowie alle Interessierten. Besondere Vorkenntnisse werden nicht erwartet.

 

Wir lesen den Text in der zweisprachigen (griechisch-deutschen) kommentierten Ausgabe von Herwig Görgemanns, Reinhard Feldmeier und Jan Assmann: Plutarch, Drei religionsphilosophische Schriften: Über den Aberglauben, Über die späte Strafe der Gottheit, Über Isis und Osiris (Tusculum 2003). Griechischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Teilnahmevoraussetzung.

Der Kurs richtet sich an Studierende, welche die Grundkurse Mittelägyptisch I und II erfolgreich absolviert haben. In der Veranstaltung werden anhand der hieroglyphischen Transkription der Geschichte des Sinuhe Lektüreerfahrungen gesammelt und dabei die mittelägyptische Grammatik weiter vertieft.