Suchterkrankungen kommt nach dem gegenwärtigen Stand der medizinischen Wissenschaft ebenso der Status einer Krankheit zu, wie somatischen Erkrankungen. Dennoch erfahren Patient*innen mit Suchterkrankungen nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Medizin häufig einen wertenden und stigmatisierenden Umgang mit ihrer Erkrankung. So besteht auch unter Ärzt*innen bisweilen die Tendenz, den Patient*innen eine Eigenverantwortung an Ihrem Suchtverhalten oder eine mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit in der Behandlung Ihrer Suchterkrankung zuzusprechen. Eine derartige Stigmatisierung kann dazu führen, dass Betroffene ihre Erkrankung aus Scham und Angst vor Schuldzuweisungen nicht nur gegenüber Arbeitskollegen und Angehörigen, sondern auch gegenüber den behandelnden Ärzt*innen zu verbergen suchen. Dies birgt die Gefahr, dass ein an sich notwendiger Arztbesuch von den Betroffenen zu lange aufgeschoben wird oder ein übermäßiger Substanzkonsum gegenüber den behandelnden Ärzt*innen verheimlicht wird.

Weitere Informationen im Kursbereich hier in Moodle.


In den letzten zehn Jahren ist in der Geschichtswissenschaft das Interesse an den Dingen, an der Materialität vergangener Zeiten, (wieder) erwacht. Ausgehend von Ansätzen der „Science and Technology Studies“ (STS) und praxistheoretischen Konzepten wurden Artefakte zu Quellen, mit denen untersucht werden kann, wie materielle Strukturen menschliches Handeln strukturierten resp. welches Wissen den dabei verwendeten Objekten impliziert ist bzw. bei ihrer Verwendung hergestellt, festgeschrieben oder verschoben wird. Aber auch Abbildungen und Fotografien werden wir ganz in diesem Sinne in dem Seminar als Zeugnisse materieller Kultur betrachten. Das Seminar gibt Einblick in die Theorien und Methoden der „visual history“ und der „material culture studies“ – Studierende werden einzelne Fallstudien zur Objekt- und Bildgeschichte der Medizin präsentieren und zur Diskussion stellen. Für diese Fallstudien stehen Objekte der Lehrsammlung des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin und der Anatomischen Sammlung zur Verfügung.

Eng mit dem Seminar verknüpft sind jeweils zweistündige Exkursionen in Heidelberger medizinhistorische Sammlungen (s.u.). Eine Teilnahme an der Exkursion ist empfehlenswert, jedoch nicht unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar. Ein Exkursionsschein kann nur von TeilnehmerInnen des Seminars erworben werden (Anmeldung Exkursion nur für Teilnehmer*innen des Hauptseminars).

Die Psychoanalyse, begründet Ende des 19. Jahrhunderts von Sigmund Freud, ist mehr als eine psychotherapeutische Behandlungsform unter anderen. Als wirkmächtige Theorie über unbewusste seelische Vorgänge kann sie auf Einzelne ebenso bezogen werden wie auf Gruppen; sie ist Kulturtheorie und methodisch begründete Praxis der Selbsterfahrung. Psychoanalyse ist sie aber auch eine Disziplin mit wechselvoller Geschichte im 20. Jahrhundert. Institutionalisierung, Internationalisierung, aber auch Abspaltungen charakterisierten die ersten Jahrzehnte. Die erzwungene Emigration der jüdischen Psychoanalytiker aus Mitteleuropa und die Ausbildung einer „deutschen“ Tiefenpsychologie mit der Gründung des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie („Göring-Institut“) 1936 prägten die Geschichte der Disziplin in der Nachkriegszeit maßgeblich, international wie in den beiden deutschen Staaten. Diese Entwicklungen wird das angekündigte Seminar in den Blick nehmen.

Zusätzlich zum Hauptseminar findet eine dreitägige Exkursion nach Wien statt.